Wer Langenleuba-Oberhain sagt, darf getrost auch Nikolaikirche sagen, Christian Führer, friedliche Revolution. 30 Jahre nach dem entscheidenden Herbst 1989 gibt es hier eine Andacht

Penig/Langenleuba-Oberhain
Friedliche Revolution = Leipziger Nikolaikirche = Christian Führer: Selbstredend ist diese Kausalkette arg verknappt, doch sie bringt für viele Menschen auf den Punkt, was sie damals, 1989, umtrieb. Menschen, die von sich sagen können: „Und wir sind dabei gewesen“ – ein Ausspruch, den der Nikolaikirchen-Pfarrer als Titel über seine 2009 erschienenen Erinnerungen an die Friedensgebete und den Herbst der Veränderungen setzte. Führer stammte aus Langenleuba-Oberhain, wo sein Vater Pfarrer war. Hier auf dem Friedhof hat der 2014 Gestorbene seine letzte Ruhe gefunden. Nichts liegt näher, als 30 Jahre nach dem entscheidenden Herbst an ihn und das damalige Geschehen zu erinnern. Dazu wird am 13. Oktober eingeladen.

Christian Führer sprach von friedlicher Revolution
„Ich bin mit Langenleuba-Oberhain eng verbunden“, sagte Christian Führer einmal im LVZ-Gespräch. Zu dem Ort, an dem er seine Kindheit verbrachte, der ihn prägte, verlor er nie den Kontakt. Als er hier beerdigt wurde, nahmen Hunderte Abschied. Vergessen ist er bis heute nicht. „Wir wollen uns gemeinsam erinnern an diese Revolution, die friedlich verlief“, sagt Pfarrer Johannes Möller, der im Zuge der aktuellen Strukturreform und der Erweiterung des Kirchspiels Geithainer Land nun auch für Langenleuba-Oberhain verantwortlich ist. „Pfarrer Führer war der Begriff friedliche Revolution wichtig, er sprach ausdrücklich nicht von Wende“, sagt der 54-Jährige, der von 1987 bis 1992 in Leipzig Theologie studierte und selbst mittendrin war in den Umbrüchen, Teil hatte an den Friedensgebeten in der Nikolaikirche.
Gemeinsam mit Dankbarkeit erinnern
„Es war eine sehr wichtige, prägende Zeit. Ich empfinde eine große Dankbarkeit“, sagt Möller heute. Seit 1994 lebt er als Pfarrer mit seiner Familie in Syhra, war bis zum Sommer mehr als zwei Jahrzehnte – bis zum Ende des Kirchenbezirkes Glaucha/Rochlitz – Jugendpfarrer. Die Erfahrungen des Herbstes 1989 wirkten bis heute fort, sagt er. „Wir wollen uns erinnern an alle, die sich dafür eingesetzt haben, dass damals kein Schuss fiel, dass kein Panzer rollte.“ Damit ehre man auch Christian Führer und sein Lebenswerk.
Die 14 Uhr in der Oberhainer Kirche beginnende Andacht wird gestaltet von Führers Nachfolger in der Leipziger Nikolaikirche, Bernhard Stief, und Johannes Möller – nach den Regularien der Friedensgebete, die damals montags von verschiedenen Basisgruppen gestaltet wurden. Per Beamer werden Fotografien gezeigt, zur Gitarre erklingen Lieder, die die Menschen damals begleiteten. Danach wird ein fünf Meter hoher Mandelbaum gepflanzt. Bei Kaffee und Kuchen kommt man im Anschluss ins Gespräch.
Von Ekkehard Schulreich